FAQ

Antworten auf aktuelle Fragen zu der Situation der Geflüchteten finden Sie hier.

Wie viele Flüchtlinge gibt es eigentlich?

Über eine Million Flüchtlinge sind 2015 nach Deutschland gekommen. Derzeit befinden sich nach Angaben der UNO-Flüchtlingshilfe UNHCR weltweit knapp 60 Millionen Menschen auf der Flucht. Die riesigen Flüchtlingsströme aus Krisengebieten wie in Afghanistan, Syrien, Irak, Eritrea etc. stellen Europa vor große Herausforderungen. Die Situation in den Transitländern wie Ungarn, Italien und Griechenland heizt die Diskussion um die Flüchtlingskrise und die Verteilung sowohl in Deutschland, als auch in Europa an.
Es lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, wie viele Asylsuchende sich tatsächlich in Deutschland aufhalten, da nicht alle Ankommenden sofort einen Asylantrag stellen können. Ankommende Asylsuchende werden zunächst im sogenannten »EASY-System« registriert, einer Software, die die Verteilung der Asylsuchenden auf die Erstaufnahme-Einrichtungen in den Bundesländern regelt. Bei den dort erfassten Asylsuchenden können Fehl- oder Doppelregistrierungen nicht ausgeschlossen werden. Die Zahl der EASY-Registrierungen lag 2015 deutlich höher als die Zahl der gestellten Asylanträge. Von Januar bis Dezember 2015 wurden im EASY-System 1.091.894 Zugänge von Asylsuchenden erfasst. Zwischen Januar und November 2016 wurden bislang 304.929 Zugänge von Asylsuchenden registriert.(Quelle: https://www.bpb.de/politik/innenpolitik/flucht/218788/zahlen-zu-asyl-in-deutschland#Registrierungen)

Aktuelle Zahlen vom Januar 2017: http://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Downloads/Infothek/Statistik/Asyl/aktuelle-zahlen-zu-asyl-januar-2017.pdf?__blob=publicationFile

 

Wo kommen die Menschen her?

„Die meisten Asylbewerber in Deutschland sind nicht von Krieg und politischer Verfolgung bedroht, sondern wollen am Wohlstand der Deutschen teilhaben?“ Das Vorurteil, das oft wiederholt wird, ist falsch. Der Großteil der Geflüchteten kommt aus Syrien, wo seit 2011 ein blutiger Bürgerkrieg geführt wird. Auch kommen viele der Geflüchteten aus Afghanistan, wo seit Jahren schon kein Frieden mehr herrscht, sowie aus dem Iran und Irak. Darüber hinaus kommen viele der Geflüchteten aus den Balkanstaaten wie Albanien, Armenien oder Serbien. Auch kommen viele der Geflüchteten aus verschiedenen afrikanischen Staaten, sowie vereinzelt auch aus Georgien, Indien oder Bangladesch.

Wer gilt als Flüchtling? Wer als Asylbewerber?

Artikel 1 der Genfer Flüchtlingskonvention definiert einen Flüchtling als Person, die sich außerhalb des Landes befindet, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzt oder in dem sie ihren ständigen Wohnsitz hat, und die wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Überzeugung eine wohlbegründete Furcht vor Verfolgung hat und den Schutz dieses Landes nicht in Anspruch nehmen kann oder wegen dieser Furcht vor Verfolgung nicht dorthin zurückkehren kann.

Status von Flüchtlingen
Der Status von Flüchtlingen richtet sich nach internationalen und nationalen Bestimmungen wie der Genfer Flüchtlingskonvention, der Qualifikationsrichtlinie der Europäischen Union und nationalen Rechtsvorschriften. Die deutsche Rechtsordnung unterscheidet zwischen der Anerkennung der Asylberechtigung (Art. 16 a Grundgesetz), der Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft und der Gewährung subsidiären Schutzes.

Asylbewerber, Asylberechtigte, anerkannte Flüchtlinge, Migranten
Ein Asylbewerber ist eine Person, die in einem fremden Land um Asyl, also Aufnahme und um Schutz vor Verfolgung ersuchen.  Man unterscheidet zwischen den Bezeichnungen Asylbewerber und Asylberechtigte. Als Asylbewerber werden die Menschen bezeichnet, deren Asylanerkennungsverfahren noch nicht abgeschlossen ist. Anerkannte Asylbewerber heißen Asylberechtigte oder anerkannte Flüchtlinge. Jene Anerkennung ist kein dauerhafter Status, da sie jederzeit widerrufen werden kann, wenn die Voraussetzungen für sie nicht mehr vorliegen. Die Zuständigkeit hierfür liegt genau wie beim Asylantrag beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge.

Warum fliehen gerade jetzt so viele Menschen?

Die Statistiken des UN-Flüchtlingshilfswerks zeigen: In den Staaten rund um Europa ist die Zahl der Vertriebenen schon deutlich früher und stärker gestiegen als in Europa selbst. Und nur ein Bruchteil der Flüchtenden hat bislang den gefährlichen Weg in die EU gewählt.

Welche Fluchtrouten gibt es?

Im vergangenen Jahr kamen mehr Asylsuchende über das Mittelmeer in die Europäische Union als jemals zuvor. Inzwischen hat die EU die wichtigste Fluchtroute über die Ägäis abgeriegelt – und die Zahl der Ankommenden ist drastisch zurückgegangen. Doch damit ist die Zeit der großen Flucht nicht beendet. Im Gegenteil,  nie waren weltweit so viele Menschen auf der Flucht wie heute. Doch das Mittelmeer ist nicht der einzige Weg, auf dem Flüchtlinge nach Europa kommen.

Allein im Jahr 2015 starben mindestens 3.770 Menschen vor den Küsten Europas. Die kürzesten Wege nach Europa hat die EU mittlerweile versperrt. Und mit jeder Route, die die EU dicht machte, fanden die Schleuser neue Wege. Meist waren diese noch riskanter. Durch die Sperrung der Mittelmeerroute müssen die Flüchtlinge auf noch gefährlichere Fluchtrouten ausweichen.

Weitere gefährliche Fluchtrouten sind unter anderem folgende:

Westliche Balkanroute

Die Route nehmen Flüchtlinge aus den Balkanstaaten ebenso wie asiatische Migranten, die über Griechenland und die Türkei nach Ungarn oder Rumänien kommen. Die westliche Balkanroute wird sehr oft von Syrern und Somaliern genutzt. In Mazedonien angekommen, werden sie in einem von Schmugglern organisierten «Taxi»-System an die serbische Grenze gebracht, um in der EU Asyl zu beantragen.

Östliche Landroute

Die 6000 Kilometer lange Grenze zwischen Weissrussland, der Republik Moldau, der Ukraine, Russland und den östlichen EU-Mitgliedländern wird hauptsächlich von Flüchtlingen aus der Ukraine, Afghanistan und Vietnam zu überqueren versucht

Route über Apulien und Kalabrien

Diese Route wird von Flüchtlingen aus der Türkei und Ägypten benutzt; sie schliesst aber auch die Migrationsströme zwischen Griechenland und Italien ein. Die drei wichtigsten Herkunftsländer der Flüchtlinge waren Syrien, Nigeria und Eritrea.

Westafrikanische Route

Sie führt von Marokko in die Westsahara oder über Mauretanien auf die Kanarischen Inseln. Diese Route wird meist von west- und zentralafrikanischen Migranten aus subsaharischen Staaten wie Mali, Niger, Ghana und Kamerun genutzt. Den gefährlichen Weg übers Meer legen sie in kleinen Fischerbooten zurück.

 

Gibt es Möglichkeiten, auf sicherem Weg nach Deutschland zu kommen?

Die sicherste Möglichkeit nach Deutschland zu kommen, ist die Einreise als Kontingentsflüchtling. Kontingentflüchtlinge sind Flüchtlinge aus Krisenregionen, die im Rahmen internationaler humanitärer Hilfsaktionen aufgenommen werden.

Wie werden Flüchtlinge in die Kommunen verteilt?

Ein Asylsuchender wird einer bestimmten Erstaufnahme-Einrichtung zugeordnet. Diese „Verteilung“ stützt sich auf mehrere Kriterien und wird mit Hilfe des Systems „EASY“ (Erstverteilung von Asylbegehrenden) ermittelt.

Die Zuteilung zu einer Erstaufnahme-Einrichtungen hängt zum einen von deren aktuellen Kapazitäten ab, ist jedoch auch abhängig von der Außenstelle des Bundesamtes, welche das Heimatland des Asylsuchenden bearbeitet, denn nicht jede Außenstelle bearbeitet jedes Herkunftsland. Zudem bestehen Aufnahmequoten für die einzelnen Bundesländer. Diese legen fest, welchen Anteil der Asylbewerber jedes Bundesland aufnehmen muss und werden nach dem sogenannten „Königsteiner Schlüssel“ festgesetzt. Er wird für jedes Jahr entsprechend der Steuereinnahmen und der Bevölkerungszahl der Länder berechnet.

Nordrhein-Westfalen hat mit 21,1% die höchste Verteilungsquote im Jahr 2016.