FAQ

Antworten auf aktuelle Fragen zu der Situation der Geflüchteten finden Sie hier.

Wie viele Flüchtlinge gibt es eigentlich?

Wie viele Flüchtlinge leben in der EU?

In den 28 Mitgliedstaaten der Europäischen Union haben nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) Ende 2017 knapp 2,3 Millionen Flüchtlinge gelebt. Das entspricht etwa 0,45 Prozent der EU-Gesamtbevölkerung von mehr als 511 Millionen Menschen.

Wie viele Migranten kommen heute noch übers Mittelmeer?

Zuletzt sind die Zahlen zurückgegangen. Zwischen 1. Januar und 24. Juni 2018 nahmen knapp 43.000 Flüchtlinge den gefährlichen Seeweg nach Europa auf sich. Das sind nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM), einer Behörde der Vereinten Nationen, etwa halb so viele wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres. 2016 waren es zwischen Januar und Juni mehr als fünf Mal so viele.

Wie viele kommen auf der Überfahrt ums Leben?

Weil sich weniger auf den Weg machen, geht auch die Zahl derjenigen zurück, die tot geborgen oder vermisst werden. Nach IOM-Angaben waren es in der ersten Jahreshälfte rund 1000 Menschen – etwa zwei Drittel von ihnen auf der zentralen Route Richtung Italien. 2017 waren im ersten Halbjahr mehr als 2150 Menschen auf dem Mittelmeer ums Leben gekommen – damals fast alle auf dem Weg nach Italien.

Welche Länder erreichen Geflüchtete am häufigsten?

Wegen ihrer geografischen Lage im Süden Europas sind Italien, Griechenland und Spanien die klassischen Ankunftsstaaten. Bis Ende Juni landeten seit Jahresbeginn zwei von fünf Migranten in Italien, der Rest der Bootsflüchtlinge teilte sich gleichmäßig auf Griechenland und Spanien auf. Nur verschwindend wenige trafen auf Zypern ein. Oft haben Flüchtlinge den Staat später verlassen, in dem sie erstmals EU-Boden betraten.

Wie ist die Lage in Italien?

In das Land kommen signifikant weniger Menschen als in den vergangenen Jahren, als dort im Schnitt 156 000 Flüchtlinge die Küste erreichten. Der Trend setzte schon weit vor der Vereidigung der neuen populistischen Regierung ein. Innenminister Matteo Salvini, Chef der fremdenfeindlichen Lega, will das Land möglichst gegen weitere Ankommende abschotten. Während dieses Jahr bis 24. Juni gut 16.400 Männer, Frauen und Kinder ankamen, waren es 2017 zu diesem Zeitpunkt schon knapp 73.000. Insgesamt sind seit Anfang 2015 bis heute gut 470.000 Flüchtlinge nach Italien gekommen, viele aber auch weitergezogen. Laut UNHCR lebten Ende 2017 etwa 167.000 in dem Land – das entspricht etwa 0,28 Prozent der Bevölkerung.

Wie sieht es in Spanien aus?

Auf der westlichen Mittelmeerroute sind die Flüchtlingszahlen zuletzt gestiegen. Der Juni ist nach Schätzungen der Migrationsbehörde mit mehr als 5300 Menschen der Monat mit den meisten Ankommenden an spanischen Küsten in vier Jahren. Bislang gingen dort 2018 rund 13 500 an Land. Zum Vergleich: In der ersten Jahreshälfte 2015 waren es insgesamt 1750 Geflohene. Seit 2015 erreichten rund 76.000 Migranten die Küsten. Ende 2017 lebten dort etwa 17.500, also 0,04 Prozent der spanischen Bevölkerung.

Und Griechenland?

Das Land hatte 2015 mit einer Rekordzahl von mehr als 850 000 Migranten umzugehen. Seit Abschluss des EU-Türkei-Abkommens über die Rücknahme von Flüchtlingen in das muslimische Land fallen die Zahlen aber rapide. Nach etwa 174 000 im Gesamtjahr 2016 und knapp 29 600 im Folgejahr kamen 2018 bisher etwa 13 000 Menschen über das östliche Mittelmeer. Ende 2017 lebten knapp 33 000 Flüchtlinge in Griechenland – etwa 0,3 Prozent der Bevölkerung.

Welches EU-Land nimmt die meisten Flüchtlinge auf?

In absoluten Zahlen bleibt Deutschland an der Spitze – vor Frankreich und Schweden. Ende 2017 lebten hierzulande nach UNHCR-Angaben 970 400 Schutzsuchende. Setzt man die Zahl allerdings ins Verhältnis zur Bevölkerung liegt Deutschland mit 117 Flüchtlingen pro 10 000 Einwohnern hinter Schweden (241), Malta (174) und Österreich (131). Im Vergleich zur Wirtschaftskraft nimmt Malta EU-weit die meisten Flüchtlinge auf, Deutschland liegt auf Platz sechs.

Und welcher die wenigsten?

Weniger als 1000 Flüchtlinge lebten Ende 2017 jeweils in Estland, Kroatien, Slowenien, Lettland und der Slowakei. In Polen und Ungarn, die sich vehement gegen die Aufnahme weiterer Schutzsuchenden wehren, kamen auf 10 000 Einwohner 3 respektive 6 Flüchtlinge.

Wie viele Menschen kommen heute noch nach Deutschland?

Im Rekordjahr 2015 sind 890 000 Flüchtlinge eingereist. Seit dem EU-Türkei-Flüchtlingspakt und der Abschottung der Balkanroute geht die Zahl immer weiter zurück: 2016 waren es noch rund 280 000, vergangenes Jahr wurde mit knapp 187 000 in etwa wieder das Niveau von 2014 erreicht. Zwischen Januar und April 2018 registrierten sich etwa 55 000 Asylsuchende in Deutschland – nochmals 10 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum 2017.

Wie viele dürfen in Deutschland bleiben?

Über Asylanträge urteilt das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf). Zwischen Januar und Mai 2018 entschied die Behörde in mehr als 110 000 Fällen. Asyl erhielt einer von drei Schutzsuchenden. 2017 lag die Quote bei etwa 43 Prozent, 2016 bei fast zwei Dritteln. Ende 2017 waren im Ausländerzentralregister (AZR) rund 600 000 Menschen mit Flüchtlingsschutz nach der Genfer Konvention registriert, weil sie in ihren Heimatländern etwa politisch oder ethnisch verfolgt werden. Etwa 85 Prozent von ihnen haben befristete Aufenthaltsrechte. Des Weiteren hatten zum Jahreswechsel knapp 200 000 Menschen subsidiären (eingeschränkten) Schutz, weil ihnen im Herkunftsland ernsthafter Schaden droht, etwa durch Krieg.

 

statistische Daten:

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/76095/umfrage/asylantraege-insgesamt-in-deutschland-seit-1995/

Informationen zu Flucht und Migration in Europa (Juli 2018):

https://www.zdf.de/nachrichten/heute/aktuelle-zahlen-zu-flucht-und-asyl-in-europa-100.html

 

Wo kommen die Menschen her?

„Die meisten Asylbewerber in Deutschland sind nicht von Krieg und politischer Verfolgung bedroht, sondern wollen am Wohlstand der Deutschen teilhaben?“ Das Vorurteil, das oft wiederholt wird, ist falsch. Der Großteil der Geflüchteten kommt aus Syrien, wo seit 2011 ein blutiger Bürgerkrieg geführt wird. Auch kommen viele der Geflüchteten aus Afghanistan, wo seit Jahren schon kein Frieden mehr herrscht, sowie aus dem Iran und Irak. Darüber hinaus kommen viele der Geflüchteten aus den Balkanstaaten wie Albanien, Armenien oder Serbien. Auch kommen viele der Geflüchteten aus verschiedenen afrikanischen Staaten, sowie vereinzelt auch aus Georgien, Indien oder Bangladesch.

Wer gilt als Flüchtling? Wer als Asylbewerber?

Artikel 1 der Genfer Flüchtlingskonvention definiert einen Flüchtling als Person, die sich außerhalb des Landes befindet, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzt oder in dem sie ihren ständigen Wohnsitz hat, und die wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Überzeugung eine wohlbegründete Furcht vor Verfolgung hat und den Schutz dieses Landes nicht in Anspruch nehmen kann oder wegen dieser Furcht vor Verfolgung nicht dorthin zurückkehren kann.

Status von Flüchtlingen
Der Status von Flüchtlingen richtet sich nach internationalen und nationalen Bestimmungen wie der Genfer Flüchtlingskonvention, der Qualifikationsrichtlinie der Europäischen Union und nationalen Rechtsvorschriften. Die deutsche Rechtsordnung unterscheidet zwischen der Anerkennung der Asylberechtigung (Art. 16 a Grundgesetz), der Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft und der Gewährung subsidiären Schutzes.

Asylbewerber, Asylberechtigte, anerkannte Flüchtlinge, Migranten
Ein Asylbewerber ist eine Person, die in einem fremden Land um Asyl, also Aufnahme und um Schutz vor Verfolgung ersuchen.  Man unterscheidet zwischen den Bezeichnungen Asylbewerber und Asylberechtigte. Als Asylbewerber werden die Menschen bezeichnet, deren Asylanerkennungsverfahren noch nicht abgeschlossen ist. Anerkannte Asylbewerber heißen Asylberechtigte oder anerkannte Flüchtlinge. Jene Anerkennung ist kein dauerhafter Status, da sie jederzeit widerrufen werden kann, wenn die Voraussetzungen für sie nicht mehr vorliegen. Die Zuständigkeit hierfür liegt genau wie beim Asylantrag beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge.

Warum fliehen gerade jetzt so viele Menschen?

Die Statistiken des UN-Flüchtlingshilfswerks zeigen: In den Staaten rund um Europa ist die Zahl der Vertriebenen schon deutlich früher und stärker gestiegen als in Europa selbst. Und nur ein Bruchteil der Flüchtenden hat bislang den gefährlichen Weg in die EU gewählt.

Welche Fluchtrouten gibt es?

Im vergangenen Jahr kamen mehr Asylsuchende über das Mittelmeer in die Europäische Union als jemals zuvor. Inzwischen hat die EU die wichtigste Fluchtroute über die Ägäis abgeriegelt – und die Zahl der Ankommenden ist drastisch zurückgegangen. Doch damit ist die Zeit der großen Flucht nicht beendet. Im Gegenteil,  nie waren weltweit so viele Menschen auf der Flucht wie heute. Doch das Mittelmeer ist nicht der einzige Weg, auf dem Flüchtlinge nach Europa kommen.

Allein im Jahr 2015 starben mindestens 3.770 Menschen vor den Küsten Europas. Die kürzesten Wege nach Europa hat die EU mittlerweile versperrt. Und mit jeder Route, die die EU dicht machte, fanden die Schleuser neue Wege. Meist waren diese noch riskanter. Durch die Sperrung der Mittelmeerroute müssen die Flüchtlinge auf noch gefährlichere Fluchtrouten ausweichen.

Weitere gefährliche Fluchtrouten sind unter anderem folgende:

Westliche Balkanroute

Die Route nehmen Flüchtlinge aus den Balkanstaaten ebenso wie asiatische Migranten, die über Griechenland und die Türkei nach Ungarn oder Rumänien kommen. Die westliche Balkanroute wird sehr oft von Syrern und Somaliern genutzt. In Mazedonien angekommen, werden sie in einem von Schmugglern organisierten «Taxi»-System an die serbische Grenze gebracht, um in der EU Asyl zu beantragen.

Östliche Landroute

Die 6000 Kilometer lange Grenze zwischen Weissrussland, der Republik Moldau, der Ukraine, Russland und den östlichen EU-Mitgliedländern wird hauptsächlich von Flüchtlingen aus der Ukraine, Afghanistan und Vietnam zu überqueren versucht

Route über Apulien und Kalabrien

Diese Route wird von Flüchtlingen aus der Türkei und Ägypten benutzt; sie schliesst aber auch die Migrationsströme zwischen Griechenland und Italien ein. Die drei wichtigsten Herkunftsländer der Flüchtlinge waren Syrien, Nigeria und Eritrea.

Westafrikanische Route

Sie führt von Marokko in die Westsahara oder über Mauretanien auf die Kanarischen Inseln. Diese Route wird meist von west- und zentralafrikanischen Migranten aus subsaharischen Staaten wie Mali, Niger, Ghana und Kamerun genutzt. Den gefährlichen Weg übers Meer legen sie in kleinen Fischerbooten zurück.

 

Gibt es Möglichkeiten, auf sicherem Weg nach Deutschland zu kommen?

Die sicherste Möglichkeit nach Deutschland zu kommen, ist die Einreise als Kontingentsflüchtling. Kontingentflüchtlinge sind Flüchtlinge aus Krisenregionen, die im Rahmen internationaler humanitärer Hilfsaktionen aufgenommen werden.

Wie werden Flüchtlinge in die Kommunen verteilt?

Ein Asylsuchender wird einer bestimmten Erstaufnahme-Einrichtung zugeordnet. Diese „Verteilung“ stützt sich auf mehrere Kriterien und wird mit Hilfe des Systems „EASY“ (Erstverteilung von Asylbegehrenden) ermittelt.

Die Zuteilung zu einer Erstaufnahme-Einrichtungen hängt zum einen von deren aktuellen Kapazitäten ab, ist jedoch auch abhängig von der Außenstelle des Bundesamtes, welche das Heimatland des Asylsuchenden bearbeitet, denn nicht jede Außenstelle bearbeitet jedes Herkunftsland. Zudem bestehen Aufnahmequoten für die einzelnen Bundesländer. Diese legen fest, welchen Anteil der Asylbewerber jedes Bundesland aufnehmen muss und werden nach dem sogenannten „Königsteiner Schlüssel“ festgesetzt. Er wird für jedes Jahr entsprechend der Steuereinnahmen und der Bevölkerungszahl der Länder berechnet.

Nordrhein-Westfalen hat mit 21,1% die höchste Verteilungsquote im Jahr 2016.

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